Wer ein neues Webprojekt plant, landet in der Systemauswahl schnell bei denselben Namen: WordPress, TYPO3, Drupal. Das ist verständlich – Bekanntheit schafft Vertrauen, und Vertrauen vereinfacht Entscheidungen. Doch wer ausschließlich auf Marktanteile schaut, übersieht mitunter das System, das in vielen Projekten die präzisere Antwort auf konkrete Anforderungen wäre.

Craft CMS ist genau so ein System. Entwickelt von Pixel & Tonic, seit über einem Jahrzehnt kontinuierlich weiterentwickelt und inzwischen bei Unternehmen wie SONOS, IKEA, Adidas und Netflix im Einsatz – nicht weil es trendy ist, sondern weil es zuverlässig funktioniert. Craft wird von einigen der weltweit führenden Marken genutzt, darunter SONOS, Netflix, Wrangler, IKEA und Adidas. Für uns bei mindtwo ist Craft seit Jahren ein bevorzugtes System für individuelle Webprojekte – und wir beobachten, wie es stetig an Reife gewinnt.

Dieser Artikel zeigt, was Craft CMS technisch leistet, wo es seine größten Stärken ausspielt und warum der Blick über den WordPress-Tellerrand lohnt – besonders für Projekte, bei denen Flexibilität, Wartbarkeit und Skalierbarkeit keine Optionen sind, sondern Grundvoraussetzungen.


Was Craft CMS grundlegend anders macht

Das Grundprinzip von Craft lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Bei Craft steht der Inhalt an erster Stelle – kein Zwang, Inhalte in die Strukturen eines CMS zu pressen. Das klingt wie ein Marketingversprechen, ist aber eine echte architektonische Entscheidung.

Viele CMS bringen ein vordefiniertes Datenmodell mit – Post, Page, Category. Wer davon abweichen möchte, greift zu Workarounds, Custom Post Types oder Plugin-Konstrukten, die mit der Zeit technische Schulden aufbauen. Craft CMS überzeugt besonders beim Content Modeling. Entwickler können hochgradig individualisierte Inhaltstypen über Sections und Fields erstellen. Dieses System ermöglicht präzise Kontrolle darüber, wie Inhalte gespeichert und angezeigt werden.

Das hat praktische Konsequenzen: Ein Redakteur, der im Backend arbeitet, sieht genau die Felder und Strukturen, die für sein Projekt relevant sind – nicht mehr und nicht weniger. Das Control Panel ist für Content Manager einfach und angenehm zu bedienen. Entwickler loben oft, wie das benutzerfreundliche Backend die Reibung zwischen technischem Team und Redaktion reduziert. Die Oberfläche ist klar und ablenkungsfrei. Redakteure können Inhalte mühelos verwalten, was die Abhängigkeit von Entwicklern für alltägliche Updates verringert.

Das schafft Spielraum: Wenn Redaktionsteams eigenständig arbeiten können, ohne bei jeder Inhaltsänderung auf die Entwicklung angewiesen zu sein, zahlt sich das direkt in Geschwindigkeit und Unabhängigkeit aus.


Das Content-Modell: Sections, Fields und Matrix

Das Herzstück von Craft ist sein Ansatz zur Inhaltsverwaltung. Craft CMS bietet ein flexibles Content-Modeling-System, das es leicht macht, individuelle Inhalte zu erstellen und zu verwalten. Entwickler können Inhaltsstrukturen über Sections und Entries aufbauen. Die Sections definieren Inhaltstypen, Entries speichern die eigentlichen Inhalte. Jeder Entry kann mit individuellen Feldern versehen werden – darunter Text, Rich Text, Bilder, Kategorien oder komplexe Feldtypen wie Matrix.

Das Matrix-Feld verdient besondere Erwähnung. Es erlaubt, verschiedene Block-Typen zu definieren, die beliebig kombiniert und angeordnet werden können. So lassen sich strukturierte Seitenlayouts schaffen, die Redakteuren trotzdem volle Flexibilität beim Aufbau einzelner Seiten lassen – ohne dass das Design kollabiert oder Entwickler eingreifen müssen.

Craft 5.0 brachte dabei einen kompletten Paradigmenwechsel beim Content Modeling: Entry Types wurden von ihren Sections entkoppelt, verschachtelte Matrix-Felder wurden möglich, und mehrere Instanzen von Custom Fields innerhalb von Field Layouts können genutzt werden. Das ist kein inkrementelles Update, sondern eine fundamentale Erweiterung der Möglichkeiten.

Craft 5 brachte außerdem mehrere UI-Verbesserungen mit sich: Element Card Views, Element Action Menus, die Inline-Erstellung von Entry Types und Fields, Bulk Element Editing, die Möglichkeit, Symbole und Farben für Entry Types zu vergeben, sowie neue Ansichtsmodi für Matrix-Felder.


Twig als Template-Engine: Sauberkeit als Prinzip

Auf der Entwicklerseite setzt Craft auf Twig – eine bewährte Template-Engine aus dem Symfony-Ökosystem. Ein herausstehendes Feature von Craft CMS ist die Verwendung der Twig-Templating-Engine. Twig ermöglicht es Entwicklern, klare, prägnante Templates mit weniger Fehleranfälligkeit zu schreiben. Das verbessert die Produktivität und hilft dabei, sauberen Code zu erhalten. Die Twig-Syntax ist einfach und dennoch leistungsfähig – zugänglich für Frontend- wie Backend-Entwickler gleichermaßen.

Twig unterstützt Template-Vererbung, wiederverwendbare Komponenten und sicheres Output-Escaping. Entwickler schätzen Twigs Flexibilität beim Aufbau komplexer Seitenlayouts oder dynamischer Inhalte.

Was das in der Praxis bedeutet: Kein automatisch generierter, unkontrollierbarer HTML-Code. Kein Theme-Framework, das die eigene Struktur vorgibt. Volle Kontrolle über das Markup – und damit über Performance, Barrierefreiheit und SEO.


Live-Vorschau, Versionierung und redaktionelle Workflows

Craft denkt Redaktionsarbeit konsequent zu Ende. Die Live-Vorschau ermöglicht es, Inhalte in Echtzeit zu begutachten, bevor sie veröffentlicht werden – im praktischen Split-Screen-Modus. Es ist möglich, sofort zu sehen, wie Inhalte aussehen werden, während man sie bearbeitet. Eine Vorschau-URL kann geteilt werden, um laufende Arbeiten mit anderen zu teilen.

Daneben bringt Craft native Unterstützung für Entwürfe und Versionierung mit. Änderungen werden nachverfolgt, frühere Versionen können wiederhergestellt werden – ohne Plugin, ohne Zusatzkonfiguration.

Die Releases von Craft CMS 5.6, 5.7 und 5.8 brachten zahlreiche Verbesserungen für Autoren: Cross-Site-Field-Copying, Kopier- und Einfüge-Unterstützung für Elemente, Content Block Fields, Inline-Suche für Relation Fields und vieles mehr.

Für Teams, die an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten oder komplexe Freigabeprozesse haben, sind das keine Komfortfunktionen – sie sind operative Grundlage.


Mehrsprachigkeit und Multi-Site: Globale Projekte ohne Umwege

Craft ermöglicht es, Inhalte für eine unbegrenzte Anzahl von Sites, Sprachen und Regionen zu übersetzen und zu lokalisieren. Das Control Panel ist in 25 Sprachen übersetzt und unterstützt Hunderte von Locales.

Mehrere verwandte oder lokalisierte Sites lassen sich aus einer einzigen Craft-Installation heraus betreiben. Das ist besonders relevant für Unternehmen, die international aufgestellt sind oder mehrere Marken unter einem Dach verwalten. Statt für jede Sprachversion eine eigene Instanz zu betreiben, bleibt alles in einem zentralen System – mit klaren Rechtestrukturen und einheitlichem Pflegeaufwand.

Craft verzeichnete 2024 einen Anstieg von 30% bei mehrsprachigen Site-Implementierungen. Das ist kein Zufall – Craft hat Multi-Site und Mehrsprachigkeit von Haus aus integriert und unterstützt über 40 Sprachen.


Headless-Betrieb und GraphQL-API

Ein zunehmend relevanter Anwendungsfall: Craft als reines Backend – ohne eigenes Frontend-Rendering. Craft enthält eine eingebaute GraphQL-API sowie einen vollständigen Headless-Modus. Das bedeutet, dass Inhalte über eine sauber definierte API abgefragt werden können – von einer React-App, einer mobilen Anwendung oder einem anderen System.

Das eröffnet vielfältige Möglichkeiten für die Content-Auslieferung. Inhalte können an eine Website, eine mobile App, ein IoT-Gerät oder jeden anderen Kanal geliefert werden. Das macht Craft CMS zu einer vielseitigen Lösung für Projekte, die Multi-Channel-Content-Delivery erfordern.

Für Unternehmen, die heute eine klassische Website betreiben, morgen aber vielleicht eine App-Version oder ein digitales Kundenportal ergänzen wollen, ist das ein strategischer Vorteil: Das Content-Management-System bleibt dasselbe, nur der Ausgabekanal ändert sich.


Sicherheit: Weniger ist oft mehr

Craft setzt nicht auf eine lange Liste von Plugins, um zu funktionieren. Weniger Plugins bedeuten weniger Angriffsvektoren. Craft unterstützt außerdem regelmäßige Sicherheitsaudits und Updates.

Das ist ein struktureller Unterschied zu Systemen, die stark von Drittanbieter-Plugins abhängig sind. Jedes Plugin ist ein potenzielles Sicherheitsrisiko – sei es durch veralteten Code, fehlende Wartung oder Kompatibilitätsprobleme nach Updates. Craft hat sich konsistent in der Spitzengruppe für Sicherheit positioniert – in 2023 und 2024 wurden keine schwerwiegenden Sicherheitslücken gemeldet, dank Crafts eingebauter Sicherheitsmaßnahmen und regelmäßiger Updates.

Dazu kommt: Entwickler können Benutzerberechtigungen und Rollen konfigurieren, um den Zugriff effektiv zu steuern. In Projekten mit mehreren Redaktionsebenen, externen Agenturen oder spezifischen Compliance-Anforderungen ist das keine Kleinigkeit.


Performance: Craft 5 liefert messbar

Craft 5 wurde Anfang 2024 veröffentlicht und brachte Performance-Verbesserungen, die die Ladezeiten von Seiten über verschiedene Hosting-Umgebungen hinweg durchschnittlich um 20% reduziert haben.

Craft CMS bietet mehrere eingebaute Features, die schnelle Ladezeiten und Skalierbarkeit sicherstellen. Intelligente Caching-Mechanismen reduzieren die Serverlast und beschleunigen die Auslieferung von Seiten. Die Datenbankstruktur ist effizient und kann große Inhaltsmengen ohne Performanceverlust verarbeiten. Craft skaliert gut von kleinen Sites bis hin zu Enterprise-Lösungen.

Das hat direkte Auswirkungen auf SEO und Nutzererfahrung – beides Faktoren, die bei professionellen Webprojekten nicht verhandelbar sind.


Craft Cloud: Managed Hosting aus einer Hand

Craft Cloud hat sein erstes volles Geschäftsjahr hinter sich und ist erheblich gewachsen. Dabei wurden zahlreiche stark nachgefragte Features hinzugefügt, darunter Redirect-Unterstützung, CDN-URL-Rewrites, verbessertes Logging, benutzerdefinierte Asset-Domains und Edge-Side-Include-Tags.

Außerdem wurden mehrere Performance- und Stabilitätsverbesserungen implementiert: Neue Datenbank-Cluster in der EU und den USA wurden eingerichtet, Daten und Netzwerkverkehr bleiben geografisch nah, und eine neue Datenbank-Backup-Infrastruktur macht Backups schneller, zuverlässiger und kleiner.

Für Teams, die keine eigene Infrastruktur betreiben möchten, ist Craft Cloud eine zunehmend ausgereifte Option – mit der Gewissheit, dass Hosting und CMS aus demselben Haus stammen und aufeinander abgestimmt sind.


Der nächste Schritt: Craft 6 auf Laravel-Basis

Das technisch vielleicht bedeutsamste Signal kommt aus der Roadmap. Beim Dot All 2025 in Lissabon kündigte Pixel & Tonic die Pläne für Craft 6 an. Die große Neuigkeit: der Wechsel zu Laravel.

Dabei handelt es sich nicht nur um eine reine Portierung; Craft wurde hinsichtlich seiner Beziehung zum Framework neu architektiert, sodass es als Teil einer Laravel-Applikation betrieben werden kann – parallel zu anderem Code. Diese Verschiebung ermöglicht einen völlig neuen Anwendungsfall: Craft als CMS-Komponente, die bestehenden Applikationen hinzugefügt werden kann, statt als eigenständig zu wartendes System.

Da wir bei mindtwo selbst Laravel-Experten sind und regelmäßig komplexe Laravel-Applikationen entwickeln, ist dieser Schritt für uns besonders relevant. Die Konvergenz von CMS-Stärke und modernem PHP-Framework-Ökosystem schafft neue Möglichkeiten für integrierte Lösungen – etwa wenn eine Business-Website und ein dahinter liegendes Kundenportal aus einer gemeinsamen Codebasis operieren sollen.

Der Beta-Release von Craft 6 wird für Q3 2026 erwartet, der allgemeine Release für Q4 2026. Craft 5 wurde außerdem als LTS-Release (Long-Term Support) eingestuft, was bedeutet, dass es noch fünf Jahre nach dem vollständigen Release von Craft 6 unterstützt wird. Das gibt allen Beteiligten ausreichend Zeit, den Übergang zu den eigenen Bedingungen zu gestalten.

Für laufende Projekte bedeutet das: keine Hektik, kein erzwungener Upgrade-Zyklus. Eine 2024 gestartete Craft-5-Site kann problemlos bis Ende des Jahrzehnts betrieben werden, ohne eine Zeile Code anzufassen. Das Fenster ist weit genug, um zu evaluieren, zu testen und zu migrieren, wenn es für das Projekt sinnvoll ist – nicht wenn der Hersteller es verlangt.


Für welche Projekte eignet sich Craft CMS?

Craft ist kein System für alle. Das ist keine Schwäche – das ist Präzision.

Craft CMS ist ein leistungsstarkes, API-first, headless-freundliches Content-Management-System, das für Entwickler und Content-Ersteller gleichermaßen konzipiert ist. Im Vergleich zu traditionellen CMS-Plattformen, die mit überflüssigen Plugins oder Templates überladen sind, bietet Craft vollständige Flexibilität und Werkzeuge für individuelle digitale Erfahrungen. Craft ist auf Intuitivität, Skalierbarkeit und entwicklerzentriertes Arbeiten ausgelegt.

Konkret eignet sich Craft besonders gut für:

  • Individuelle Corporate Websites mit komplexen Inhaltsstrukturen und mehrsprachigen Anforderungen
  • Content-getriebene Markenauftritte, bei denen Redaktionsautonomie und Design-Kontrolle Hand in Hand gehen müssen
  • Multi-Site-Setups, bei denen mehrere Marken oder Länderpräsenzen aus einer zentralen Instanz gesteuert werden
  • Headless-Projekte, bei denen Craft als Content-Backend für Apps, SPAs oder andere Frontends dient
  • Projekte mit hohen Sicherheits- und Compliance-Anforderungen, die von einem schlanken, gut gewarteten Kernsystem profitieren

Was Craft weniger ist: ein System für schnell aufgesetzte Standardprojekte ohne spezifische Anforderungen, oder für Teams ohne technisches Entwicklungs-Know-how. Craft CMS ist für Entwickler konzipiert. Es fokussiert sich darauf, eine Plattform zu liefern, die Leistungsfähigkeit mit Benutzerfreundlichkeit verbindet. Das setzt auf Entwicklerseite solides Handwerk voraus – und zahlt sich dann in Projekten aus, die über die Standardanforderungen hinausgehen.


Wachstum trotz Nischenstatus

2024 verzeichnete Craft einen Anstieg von 22% bei der Adoption durch globale Unternehmen und hochfrequentierte Sites – Sites mit über einer Million monatlicher Besucher –, wobei große Marken aus den Bereichen Finanzen, Gesundheit und Handel auf die Plattform wechselten.

Mehr als 50% der weltweit führenden 100 digitalen Agenturen nutzen Craft inzwischen als bevorzugtes CMS, insbesondere für hochwertige und komplexe Webprojekte mit hohem Individualisierungsbedarf.

Über 200 Craft-Websites haben renommierte Webdesign- und Entwicklungspreise gewonnen, darunter Awwwards, Webby Awards und CSS Design Awards.

Das sind keine Zufälle. Agenturen und Marken, die auf Qualität und Individualität setzen, wählen zunehmend Craft – nicht trotz seines Nischenstatus, sondern wegen seiner Präzision.


Unser Fazit

Craft CMS hat in den letzten Jahren erheblich an Reife gewonnen. Mit Craft 5 als stabilem LTS-Release, einer klaren Roadmap in Richtung Laravel und einer wachsenden Community ist es kein Geheimtipp mehr – sondern eine fundierte, strategische Entscheidung für Projekte, bei denen Flexibilität, Wartbarkeit und Kontrolle über die Inhaltsstruktur eine Rolle spielen.

Wir setzen Craft in unseren Projekten dort ein, wo maßgeschneiderte Webentwicklung und ein sorgfältig durchdachtes Content Management System zusammenkommen müssen. Das sind oft genau die Projekte, bei denen Standardlösungen an ihre Grenzen stoßen – und wo die Investition in das richtige System langfristig die bessere Entscheidung ist.

Haben Sie ein Webprojekt, bei dem Craft CMS die richtige Wahl sein könnte? Wir analysieren gerne gemeinsam mit Ihnen die Anforderungen und finden das passende System – ob Craft, eine andere Lösung oder eine individuelle Kombination aus beidem. Sprechen Sie uns an.