WordPress betreibt nach aktuellen Daten von W3Techs rund 42–43 % aller Websites weltweit und hält unter den bekannten CMS-Plattformen einen Marktanteil von knapp 60 %. Das Plugin-Verzeichnis zählt inzwischen über 70.000 Erweiterungen. WordPress 6.8 „Cecil" erschien im April 2025, WordPress 6.9 „Gene" im Dezember 2025. Ich habe jetzt genug Material für einen fundierten, aktuellen Artikel.


WordPress in der Praxis: Ein ehrlicher Blick auf das meistgenutzte CMS der Welt

Es gibt Technologieentscheidungen, die man rechtfertigen muss. Und es gibt Entscheidungen, die für sich selbst sprechen – wenn man bereit ist, die Zahlen zu lesen. WordPress gehört zur zweiten Kategorie, auch wenn das in manchen Entwicklerrunden noch immer für stille Skepsis sorgt.

Wir bei mindtwo treffen Technologieentscheidungen auf Basis von Anforderungen, nicht auf Basis von Trends. Und genau deshalb ist WordPress in unserem Portfolio keine Ausnahme, sondern eine bewusste Wahl – für die richtigen Projekte, mit dem richtigen Anspruch an Qualität.

Was die Marktdaten wirklich aussagen

WordPress betreibt Stand März 2026 rund 42,6 % aller Websites im Netz und ist damit das meistgenutzte Content-Management-System der Welt. Unter den Websites mit einem bekannten CMS hält WordPress einen Marktanteil von knapp 60 % – mehr als alle anderen Plattformen zusammen.

Zum Vergleich: Der nächste Mitbewerber, Shopify, kommt auf 4,8 % Marktanteil, gefolgt von Wix mit 3,7 %, Squarespace mit 2,3 %, Joomla mit 1,5 % und Drupal mit 0,8 %.

Diese Zahlen sind kein Zufall und auch kein Trägheitsphänomen. Auch wenn das Wachstum in den letzten Jahren etwas abgeflacht ist, zeigen die aktuellen Nutzungsstatistiken eine starke, ausgereifte Plattform mit tiefen Wurzeln im Web – kein kurzfristiger Trend. Wer WordPress als veraltet abtut, ignoriert, dass namhafte Organisationen wie The New York Times, NASA und PlayStation aktiv auf der Plattform publizieren.

Was diese Marktdurchdringung strategisch bedeutet: Ein riesiger Talentpool an Entwicklern, ein breites Ökosystem an Dienstleistern, und eine Community, die Probleme oft löst, bevor sie zum Problem werden. Für die meisten neuen Projekte bedeutet das: WordPress ist eine sichere, zukunftsfähige Wahl. Man profitiert von einer bewährten Plattform, einem großen Entwickler-Talentpool und einem Ökosystem, das Jahr für Jahr wächst – und behält dabei die volle Kontrolle über Inhalte, Hosting und langfristige SEO.

Das Ökosystem: Mehr als nur Plugins und Themes

Die Gesamtzahl verfügbarer WordPress-Plugins liegt realistischerweise bei über 70.000 – und wächst weiter. Allein die neuen Plugin-Einreichungen haben sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt.

Das ist nicht nur eine beeindruckende Zahl. Es ist ein konkreter Vorteil im Projektalltag: Für redaktionelle Workflows, Benutzerverwaltung, Formulare, SEO-Steuerung, Caching oder Drittsystemanbindungen gibt es in der Regel eine erprobte Lösung, die keiner aufwendigen Eigenentwicklung bedarf. Das spart Budget – und schafft Spielraum für das, was wirklich differenziert.

Als Digitalagentur mit Fokus auf skalierbare Lösungen schätzen wir diesen Hebel. Nicht weil wir Aufwand scheuen, sondern weil wir lieber in die Qualität der Lösung investieren als in das Nachbauen von Standardfunktionalität.

Open Source als strategischer Vorteil

Ein oft unterschätzter Aspekt: WordPress ist vollständig Open Source. Das bedeutet vollständiges Eigentum an allen Inhalten, freie Wahl des Hosting-Providers und keine Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Wer auf proprietäre SaaS-Plattformen setzt, erkauft sich Bequemlichkeit oft mit langfristiger Abhängigkeit.

Was wir 2026 beobachten, ist eine Art Rückbesinnung auf Datensouveränität. Nachdem SaaS-Plattformen in 2024 und 2025 ihre Preise aggressiv erhöhten, kehren viele Unternehmen zu WordPress zurück – um die Kontrolle über ihre Daten und ihre Infrastrukturkosten zurückzugewinnen. Im Zeitalter von KI-Scraping und strengeren Datenschutzgesetzen ist das Eigentum an der eigenen Datenbank ein echter Wettbewerbsvorteil.

Für Unternehmen, die langfristig denken, ist das kein Randaspekt – es ist eine strategische Grundentscheidung.

Der Gutenberg-Editor: Redaktionelle Autonomie ohne Entwicklerabhängigkeit

Eines der stärksten Argumente für WordPress in redaktionsgetriebenen Projekten ist die Entwicklung des Block-Editors. In 2025 hat sich der Gutenberg-Block-Editor vollständig von einem „neuen Feature" zu einer grundlegenden Infrastruktur entwickelt. Rund 75 % der WordPress-Nutzer vertrauen auf ihn für Website-Design und Anpassung.

Full Site Editing ist heute fester Bestandteil moderner WordPress-Entwicklung. Es erlaubt Entwicklern und Content-Teams, Header, Footer, Templates und Theme-Layouts vollständig mit Blöcken visuell zu gestalten.

Was das für Redaktionsteams bedeutet: deutlich mehr Autonomie im Tagesgeschäft, weniger Tickets ans Entwicklungsteam für Anpassungen, die eigentlich keine technische Expertise erfordern. Das schafft echte operative Handlungsfähigkeit – und entlastet gleichzeitig die Entwicklungsressourcen für sinnvollere Aufgaben.

Mit dem Abschluss von Gutenberg Phase 3 (Collaboration) hat sich WordPress zu einer echten Multiplayer-Umgebung entwickelt. Redakteure können die Cursorbewegungen von Kollegen im Block-Editor sehen – ähnlich wie in Google Docs oder Figma. Das hat die Arbeitsabläufe in Newsrooms und Marketing-Teams grundlegend verändert.

WordPress 6.8 und 6.9: Was sich konkret verbessert hat

WordPress 6.8 „Cecil" wurde am 15. April 2025 veröffentlicht und brachte neue Features sowie Verbesserungen für Workflows, Design-Fähigkeiten und intuitivere Content-Erstellung.

WordPress 6.9 „Gene" folgte am 2. Dezember 2025 mit wesentlichen Neuerungen für die Teamzusammenarbeit: Das neue Notes-Feature ermöglicht Kommentare auf Block-Ebene für Posts und Seiten und vereinfacht so redaktionelle Reviews. Die neu eingeführte Abilities API liefert ein standardisiertes, maschinenlesbares Berechtigungssystem – die Grundlage für KI-gestützte und automatisierte Workflows der nächsten Generation.

Insgesamt priorisiert WordPress 6.9 Verlässlichkeit über Neuerfindung und gibt Website-Betreibern ein stabiles, zukunftssicheres Fundament.

WordPress und moderne Architektur: Kein Widerspruch

Das häufigste Argument gegen WordPress in technischen Runden lautet: zu monolithisch, zu starr für moderne Webentwicklung. Das ist eine Halbwahrheit – und sie gilt nur für WordPress, das so betrieben wird wie vor einem Jahrzehnt.

Headless und Hybrid: Die Architektur der Wahl für 2026

In 2026 bietet WordPress drei Architekturmodi: Traditional (vollständige monolithische Darstellung mit Themes und Gutenberg), Decoupled (WordPress als Backend, während ein JavaScript-Frontend via REST API oder WPGraphQL rendert) sowie Hybrid (teilweise WordPress-Rendering, teilweise headless – häufig für schrittweise Migrationen).

Die Branche hat sich in 2026 auf Hybrid Headless konvergiert: Diese Architektur kombiniert das Beste aus beiden Welten – der Block-Editor bleibt die Content-Erstellungsoberfläche, während das Frontend mit modernen JavaScript-Frameworks wie Next.js oder Astro gerendert wird.

Was sich bei Headless WordPress in 2025 verändert hat, ist die Reife von Tooling und Workflows. GraphQL-Support ist robuster geworden. REST-APIs sind performanter. Und WordPress-Hosting-Provider bieten inzwischen spezialisierte Headless-Setups mit Serverless-Deployment und Edge-Caching.

In unserer Webentwicklung setzen wir auf die jeweils passende Architektur. Manchmal ist das klassisches WordPress, manchmal ein Headless-Setup mit modernem JavaScript-Frontend, manchmal eine vollständig maßgeschneiderte Lösung – etwa auf Basis von Laravel. Die Entscheidung folgt immer dem Projekt, nicht einer Präferenz für bestimmte Technologien.

Performance und Core Web Vitals

Ein konkreter Vorteil des nativen Block-Editors gegenüber Page-Buildern von Drittanbietern liegt in der Performance. Third-Party-Page-Builder bringen strukturell schwereren Code mit: übermäßige CSS-Anfragen, ungünstiges Rendering-Verhalten, erhöhte Ladezeiten. Ein sauber entwickeltes Block-Theme mit eigenem Block-Code ist messbar leichter und schneller – und das wirkt sich direkt auf Core Web Vitals und damit auf SEO-Rankings aus.

Sicherheit: Die Wahrheit hinter dem Ruf

WordPress hat einen Ruf als Sicherheitsrisiko. Dieser Ruf ist zum Teil berechtigt – aber in der Regel falsch adressiert.

Daten aus tausenden WordPress-Installationen aus Q4 2025 zeigen: Automatisierte Login-Versuche haben sich seit Januar nahezu verdoppelt, getrieben durch KI-gestützte Botnets. 92 % aller erfolgreichen WordPress-Sicherheitsverletzungen in 2025 stammten aus erweiterbaren Komponenten – also Plugins und Themes – nicht aus dem Core.

Das ist ein entscheidender Unterschied. Der WordPress-Core selbst ist vergleichsweise stabil und gut gepflegt. Das eigentliche Risiko liegt im Plugin-Ökosystem – und das ist beherrschbar.

Für Entwickler und Agenturen wird proaktives Sicherheitsmanagement – durch automatisierte Scans, Dependency-Monitoring und kontinuierliches Patching – der entscheidende Faktor sein, der sichere von kompromittierten Seiten trennt. WordPress-Sicherheit ist so stark wie Ihre Update-Disziplin.

Das Problem der verlassenen Plugins

Ein wachsendes Problem sind sogenannte „Zombie-Plugins". Im Dezember 2025 allein wurden über 150 Plugins aus dem offiziellen WordPress-Repository entfernt, weil Sicherheitsprobleme nicht behoben wurden oder Entwickler inaktiv waren. Anders als bei Standard-Schwachstellen werden diese Plugins niemals einen Patch erhalten.

Das ist kein Argument gegen WordPress – es ist ein Argument für professionelles Plugin-Management. Wir empfehlen unseren Kunden grundsätzlich ein strukturiertes Website-Wartungskonzept, das regelmäßige Updates, Monitoring und Sicherheits-Audits umfasst. Plugins, die seit mehr als sechs Monaten kein Update erhalten haben, werden systematisch geprüft und bei Bedarf ersetzt. Das reduziert die Angriffsfläche erheblich – und schützt die Reputation des Unternehmens nachhaltig.

Wann WordPress die richtige Entscheidung ist

Die Frage ist nie „Ist WordPress gut oder schlecht?" Die relevante Frage lautet: „Passt WordPress zu diesem Projekt?" Unsere Erfahrung zeigt, dass die Antwort in folgenden Konstellationen klar Ja lautet:

Redaktionelle Teams stehen im Mittelpunkt. Wenn Inhalte regelmäßig erstellt, aktualisiert und verwaltet werden müssen, liefert WordPress eine Oberfläche, die ohne intensive Einarbeitung produktiv genutzt werden kann. Marketing-Teams und Content-Abteilungen kommen damit schnell in den Rhythmus.

Time-to-Market ist ein relevanter Faktor. Ein erprobtes Ökosystem, eine große Entwickler-Community und bewährte Muster beschleunigen den Aufbau erheblich. Das schafft Spielraum, das Budget in Differenzierungsmerkmale zu investieren.

SEO ist strategisch wichtig. WordPress ist von Grund auf für starke organische Sichtbarkeit ausgelegt. Strukturierte Sitemaps, Meta-Daten, Schema-Markup – vieles davon ist nativ vorhanden oder durch etablierte Plugins einfach zugänglich. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Systemen, die SEO als nachträgliches Feature behandeln.

Langfristige Datensouveränität hat Priorität. Eigentümerschaft an Inhalten, freie Hosting-Wahl, keine Abhängigkeit von Plattformanbietern – das sind keine abstrakten Versprechen, sondern konkrete strukturelle Vorteile, die sich im Verlauf eines mehrjährigen digitalen Betriebs auszahlen.

Wann andere Lösungen besser passen

Ehrliche Beratung schließt ein, klar zu benennen, wann WordPress an seine Grenzen stößt. Für hochkomplexe Geschäftslogik, anspruchsvolle Datenbankstrukturen oder skalierbare Webanwendungen mit individuellen Prozessen ist eine Individualentwicklung – etwa auf Basis von Laravel – oft die überlegene Wahl. WordPress und solche Lösungen schließen sich dabei nicht aus: Als Headless-CMS, das einer Laravel-Anwendung Inhalte liefert, kann WordPress sogar sinnvoll integriert werden.

Für Projekte mit sehr spezifischen Content-Modellierungsanforderungen oder einer stark API-first-orientierten Architektur prüfen wir auch Alternativen wie Headless-CMS-Systeme oder Statamic. Die Werkzeugauswahl folgt immer dem Anforderungsprofil.

Was wir in Projekten immer wieder sehen

Das sehen wir in der Praxis regelmäßig: Die Entscheidung für WordPress wird selten bereut, wenn sie auf einer klaren Anforderungsanalyse basiert. Was hingegen zu Problemen führt, sind zwei Muster: WordPress reflexartig einzusetzen, ohne die Eignung zu prüfen – oder WordPress reflexartig abzulehnen, weil es als nicht innovativ gilt.

Unternehmen, die früh in professionelles WordPress-Management investiert haben – saubere Entwicklung, strukturierte Wartung, durchdachte Plugin-Strategie – konnten den Großteil der diskutierten Sicherheitsprobleme vermeiden. Der Unterschied liegt nicht in der Plattformwahl, sondern in der Qualität des Betriebs.

WordPress bleibt 2026 nicht nur relevant, sondern ist für Unternehmen, Entwickler und Content-Creator, die eine vielseitige, skalierbare und benutzerfreundliche Plattform suchen, nach wie vor essenziell.

Fazit: Das richtige Werkzeug, professionell eingesetzt

WordPress ist kein Kompromiss. Es ist eine reife, leistungsfähige Plattform, die für eine sehr breite Klasse von Projekten eine hervorragende Grundlage bietet – vorausgesetzt, sie wird professionell eingesetzt.

Was das konkret bedeutet: sorgfältige Architekturentscheidung, minimaler und gepflegter Plugin-Stack, strukturierte Wartung, und – wo sinnvoll – moderne Ansätze wie Headless oder Hybrid-Architekturen. WordPress ist kein Selbstläufer. Aber es ist auch kein Risiko, das sich nicht beherrschen lässt.

Als Webagentur mit langjähriger Erfahrung in Business-Websites, Content-Management-Projekten und skalierbaren digitalen Produkten bringen wir genau diesen Anspruch mit. Wir empfehlen WordPress, wenn es passt. Wir empfehlen etwas anderes, wenn es besser passt. Und wir erklären den Unterschied.

Kein Schuldgefühl. Keine Entschuldigung. Nur die ehrliche Antwort auf die Frage, was ein Projekt wirklich braucht.