Grav CMS: moderne und datenbanklose WordPress-Alternative

Grav CMS

Wordpress ist ein bewährtes und universell einsetzbares CMS, das durch hohe Benutzerfreundlichkeit und hervorragende Erweiterbarkeit glänzt. Dennoch lohnt sich ein Blick auf alternative Inhaltsverwaltungssysteme wie Grav CMS. Dabei handelt es sich wie bei WordPress um eine Open-Dource-Lösung, die die Community zur gemeinsamen Weiterentwicklung einlädt. Das Besondere an Grav ist der Verzicht auf eine Datenbank. Das komplette System läuft komplett auf Dateiebene, sodass eine individuelle Weiterentwicklung oder Migration viel einfacher erscheint als unter dem Einsatz von MySQL und Co. Wie funktioniert Grav in der Praxis?

Installation in zwei Varianten

Grav kommt in zwei Varianten: mit und ohne Administrationspanel. Wer sich an das WordPress-Panel gewöhnt hat, wird sich sicher über zweite Option freuen. Beide Editionen lassen sich über getgrav.org herunterladen. Der Inhalt der geladenen ZIP-Datei muss ausgepackt und auf den Server geladen werden. Wird Grav mit Administrationspanel genutzt, ist eine Konfiguration einer .htaccess-Datei oder des NGINX-Configfiles notwendig. Beispiele sind im Ordner webserver-configs vorhanden. Danach ist die eigene Website zu öffnen. Auf diese Weise wird die Installation des Adminpanels ins Rollen gebracht. Der Vorteil gegenüber WordPress liegt klar auf der Hand: Durch den Verzicht auf die Datenbank, verläuft die Installation schneller und einfacher. Dateien auf den Webserver laden und fertig.

Benutzbarkeit

Der Administrationsbereich von Grav bietet eine gut aussehende und benutzerfreundliche Oberfläche. Ähnlich wie in WordPress ist sie in eine Seitenleiste und einen Hauptbereich geteilt. Per Mausklick lassen sich neue Unterseiten, Plugins und Designs hinzufügen. Unter dem Configuration-Tab lassen sich viele Dinge einstellen, doch die überladene Struktur und fehlende Erklärungen können Einstellungen zur Herausforderung machen. Hier müssen die Entwickler noch nachbessern, um den Nutzkomfort von WordPress bieten zu können. Grav hat auch keine Mediendatenbank. Somit gibt es keine Lösung, die die zentrale Verwaltung von Bildern, Videos und anderen Dateien ermöglicht. Daher ist WordPress klarer Gewinner in Sachen Benutzbarkeit.

Kernstruktur

Grav ist ein junges CMS, das PHP 5.5.9 oder höher erfordert. Grav kann also mit Features punkten, die dank den neueren PHP-Versionen umsetzbar sind. Das CMS hat eine klare Struktur und nutzt unter anderem PHP-Namespaces sowie Event-Dispatchers. Die Verwendung von modernen PHP-Features und der Verzicht auf eine Datenbank sind wichtige Faktoren, die nicht nur für eine klare Kernstruktur sorgen, sondern auch die Entwicklung von Designs und Plugins vereinfachen. In diesem Punkt kann WordPress nicht mithalten, denn es ist gefangen durch Rückwärtskompatibilität mit dem alten PHP-Standard.

Designs

Das Design einer Website ist wichtig. Es definiert, wie das Internetangebot von Besuchern wahrgenommen wird. Daher bieten WordPress und Grav jeweils eine Design-Galerie im Administrationspanel. Per Mausklick lassen sich neue Themes laden und installieren. Da WordPress schon viele Jahre auf dem Markt ist, kann Grav mit der Design-Anzahl nicht mithalten. Aber dafür hält das junge CMS die Twig-Engine für die Erstellung von PHP-Designs bereit. Durch Twig lassen sich Designs für Grav viel schneller und einfacher erstellen als für WordPress.

Erweiterbarkeit

Durch Erweiterungen, auch Plugins genannt, lassen sich neue Funktionen in die Website implementieren. Grav und WordPress bieten jeweils eine Plugin-Bibliothek im Administrationsbereich. Dort lassen sich passende Plugins suchen und per Mausklick installieren. Für WordPress stehen Zehntausende Plugins bereit. Grav bietet derzeit nur 200 Erweiterungen. Die Anzahl ist zwar nicht der wichtigste Faktor, sondern die Verfügbarkeit der Funktion, die Sie gerade brauchen. Doch bei Zehntausenden Plugins ist die Chance weit höher, dass Sie genau das finden was Sie brauchen als bei einigen Hundert. Bevor Sie sich also auf ein CMS festlegen, prüfen Sie, ob die benötigten Features bereitstehen. Andernfalls müssten Sie jemanden beauftragen, der Ihnen ein maßgeschneidertes Plugin anfertigt.

Support für mehrsprachige Websites

Sowohl WordPress als auch Grav eignen sich für mehrsprachige Websites. Um die gleichen Inhalte einer Website in verschiedenen Sprachen darzustellen, kommen Sprachdateien zum Einsatz, die Übersetzungen der Basissprache enthalten. Um die Arbeit zu erleichtern, steht für WordPress ein umfassendes, aber kostenpflichtiges Übersetzungsplugin namens WPML bereit. Alternativ und unserer Meinung noch empfehlenswerter ist das Plugin Polylang. Dieses ermöglicht auch Nicht-Informatikern eine schnelle Übersetzung von Inhalten, Themen und Plugins. Bei Grav ist diese Arbeit zurzeit komplizierter, denn hier muss für jede Seitenübersetzung eine gesonderte .md-Datei erstellt werden. Für Übersetzungen gibt es keinen zentralen Panel.

Benutzerdefinierte Felder

In benutzerdefinierten Feldern lassen sich Daten speichern, die später ausgelesen und auf der Website ausgegeben werden können. Das Feature ist in beiden CMS enthalten, wird aber anders bereitgestellt. In der Standard-Version von WordPress können Felder nur Texte enthalten. Über Plugins kann die Funktionalität auf weitere Felder wie Checkbox oder Listen ausgeweitet werden. Grav kommt bereits in der Standardvariante mit vielen Arten von benutzerdefinierten Feldern. Diese werden in sogenannten Blueprints definiert. Dabei handelt es sich um YAML-Dateien, die im Plugin oder in der Designvorlage platziert werden, um Informationen zu verfügbaren Feldern bereitzustellen. WordPress speichert die Feld-Werte in der Datenbank. Wer keine Lust hat nach passenden Plugins zu suchen und nach einer guten Grundausstattung sucht, ist mit Grav besser bedient.

SEO-Optionen

Suchmaschinenoptimierung ist für jeden Websitebetreiber wichtig. Nur mit den richtigen SEO-Maßnahmen kann eine Internetpräsenz hohe Rankings bei Google und anderen Suchanbietern erreichen. Daher stellt sich die Frage, wie gut ein CMS auf umfassende Suchmaschinenoptimierung vorbereitet ist. Sowohl Grav als auch WordPress bieten nur eine grundlegende SEO-Ausstattung, zu der die suchmaschinenfreundlichen Permalinks gehören. Wer wirklich viel erreichen will, braucht in beiden Fällen ein zusätzliches Plugin. Für WordPress ist das leistungsstarke und benutzerfreundliche YoastSEO zu empfehlen. Für Grav gibt es zwar auch SEO-Plugins, aber sie bieten nicht den Optimierungsumfang, der erwünscht wäre. Aus diesem Grund ist WordPress im Vorteil. Wer maximale Suchmaschinenoptimierung einfach erledigen will, wird mit WordPress schneller vorankommen.

Onlinehandel

Um in den Onlinehandel einzusteigen, ist ein Shop notwendig. Dieser muss solche Features wie Warenkorb sowie Zahlungs- und Versandoptionen bieten. WordPress lässt sich mithilfe von Plugins wie WooCommerce schnell zu einem Store umwandeln und einrichten. Leider steht für Grav derzeit keine umfassende E-Commerce-Lösung bereit. Wer also auf Grav setzt, muss eine separate Shopping-Plattform aufbauen oder eine fertige Lösung wie Shopify nutzen. Ein weiterer Vorteil von WordPress ist die Gegebenheit, dass für die Shopping-Plugins zusätzliche Erweiterungen bereitstehen. Somit lässt sich die Funktionalität eines WordPress-Shops grenzenlos anpassen.

Preis und Lizenzierung

Wordpress und Grav sind kostenlose Open-Source-Lösungen. Das erste CMS wird unter GPL, das andere unter MIT lizenziert. Wer sich also für eines der beiden CMS entscheidet, braucht nichts zu bezahlen, außer das Webhosting, auf dem die Website ausgebaut werden soll. In beiden Fällen stehen kostenlose Plugins und Design-Vorlagen zu Verfügung. Es gibt aber auch ein breites Angebot an kostenpflichtigen Erweiterungen. Diese lassen sich auf Entwickler-Websites und Online-Marktplätzen für kreative Inhalte kaufen.

Community

Nicht nur die Entwickler arbeiten am jeweiligen CMS. Auch die Community hilft bei der Weiterentwicklung durch Ideen, Bug-Tracking oder eigene Erweiterungen. Je größer die Community ist, desto bessere Entwicklungsperspektiven hat ein CMS. Da WordPress schon viele Jahre auf dem Markt ist, ist dessen Community deutlich größer als die von Grav. Das junge CMS wurde jedoch wegen seiner Funktionsweise von der IT-Welt sehr positiv empfangen, sodass auch hier von einer raschen Weiterentwicklung auszugehen ist.

Zusammenfassung

Das junge Grav ist in vielen Fällen eine gute WordPress-Alternative. Das CMS ist kostenlos, arbeitet ohne Datenbank und hat eine klare Codestruktur, die Anpassungen einfach macht. Obwohl die Erweiterbarkeit insbesondere im Bereich Onlinehandel noch zu wünschen übrig lässt, ist der Funktionsumfang für viele Anwendungsbereiche ausreichend. Zweifellos werden die Entwickler und die Community an zusätzlichen Features abreiten, um Grav noch besser zu machen. Wer auf das alte WordPress verzichten kann, ist mit dem modernen Grav bestens bedient.