Informationsarchitekt aka. Frontend Entwickler

Wie sauberer Code Lebensqualität schafft

Webdesigner erschaffen Welten. Welten, in denen Menschen leben, arbeiten, ihre Freizeit verbringen und sich wohlfühlen Wollen. Längst betrachten wir dabei diese virtuellen Orte mit ähnlichen Augen, wie die Orte um uns, die Menschen, Künstler, Architekten schon seit Tausenden von Jahren erschaffen. Orte aus Stein, Glas, Stahl und Holz, Orte an der Schnittstelle zwischen Natur und kulturellem Schaffen. Niemand würde diese Orte betreten, wenn sie nicht schön, faszinierend spannend oder einfach interessant wären.

Es wird höchste Zeit, dass sich Webdesigner und Frontend-Entwickler als verantwortungsvolle Schöpfer ebenso schöner und spannender Orte verstehen. Orte im Netz, Orte aus reiner Information. Denn nichts anderes sindFrontend-Entwickler, als Architekten von Orten aus Information.

Neben einer rein ästhetischen Betrachtungsweise wollen wir in diesem Artikel auch exemplarisch den praktischen Nutzen von schöner Informationsarchitektur betrachten. Denn eine durchdachte Architektur und sauberer Code sind unabdingbar für barrierefreie Webseiten, also Ort aus Information für alle Menschen.

Orte aus Information

Um zu verstehen, wie haptisch das Internet mittlerweile für uns geworden ist, lohnt es sich, einmal den allgemeinen Sprachgebrauch näher zu betrachten. Viele Menschen bewegen sich in sozialen Netzwerken. Wenn sie sich dort nicht regelkonform verhalten, werden sie ausgesperrt. Entwickler bauen Webseiten und Applikationen und stricken zumindest umgangssprachlich Code, und wenn sie es schlecht machen, wird es Spaghetticode.

Bewegen, aussperren, stricken, Spaghetti, all das sind Metaphern aus der analogen Welt um uns herum, die beweisen, wie real die virtuellen Orte des World Wide Web mittlerweile für uns geworden sind.

Fragt man die heute Jugendgeneration, also die Generation, die man als Digital Natives bezeichnet, danach, ob sie online gehen, erntet man allenfalls ein mildes Lächeln. Digital Natives unterscheiden nicht mehr zwischen Online und Offline, sie bewegen sich in Orten aus Information genauso selbstverständlich wie in Orten aus Stein, Stahl und Glas.

Genauso, wie Architekten analoger Orte verlässliche Arbeit leisten und schöne Dinge schaffen, erwarten Menschen mehr und mehr dieselbe Berufsauffassung von Informationsarchitekten.

Um die Schönheit und Zweckmäßigkeit digitaler Orte zu ermessen, hat es sich in den letzten Jahren eingebürgert, das Netz zunehmend auch unter semantischen Gesichtspunkten zu betrachten.

Die Semantik des Internets

Semantik, auch Bedeutungslehre genannt stammt vom griechischen Wort "semaínein" für "bezeichnen" ab. Die Semantik, als ein sehr weit gefasstes Wissenschaftsfeld, befasst sich mit der Bedeutung von Zeichen. In ihrer Allgemeingültigkeit eignet sich die Semantik hervorragend, um den Zusammenhang zwischen analoger Architektur und Informationsarchitektur zu verdeutlichen.

Wagen wir einmal ein Gedankenexperiment und lassen vor unserem inneren Auge ein alltägliches Gebäude auftauchen; zum Beispiel ein Haus. Was erwarten Sie beim Anblick eines Hauses? Mit Sicherheit werden Sie eine Tür finden, Hauswände und im Normalfall auch Fenster, dazu ein wie auch immer geartetes Dach. Welche Formensprache auch immer der Architekt des Hauses gewählt hat, welcher Schule er auch immer angehört, so ist eine Tür doch immer klar als Tür zu erkennen, ein Fenster ist immer ein Fenster und ein Dach ist ein Dach, unabhängig davon, ob es sich um ein Pultdach, Giebeldach oder Flachdach handelt.

Treten wir näher an das Haus heran, werden wir Dinge wie eine Klingel, Namensschilder, einen Briefkasten und einen Türknauf entdecken. All diese Dinge sind sinnvoll angeordnet, niemand wird einen Türknauf an der Regenrinne erwarten. Und selbst wenn der Türknauf an der Regenrinne hinge, wäre klar, dass er dort nicht hingehört, weil ein Türknauf ein universeller Gegenstand ist, dessen Eigenschaften und Gebrauch jedermann ohne Erklärung klar sind.

Genauso, wie die Bedeutung von Gegenständen der analogen Welt allein durch ihre Form und ihr Umfeld zu erschließen ist, muss es sich mit der Bedeutung von Informationsbausteinen verhalten. Die Bedeutung digitaler Bausteine muss für Benutzer sofort und zweifelsfrei erkennbar sein. Nur dann fühlt sich ein Benutzer wohl und kommt gern an einen digitalen Ort zurück.

Warum ist Informationsarchitektur wichtig?

Bleiben wir noch kurz beim Beispiel des Hauses. Um ein Haus eindeutig als solches erkennen zu können, muss ein Architekt bekannte Bausteine nach verständlichen Regeln so zusammensetzen, dass sich ein eindeutig identifizierbares Ganzes ergibt. Kurzum - ein Haufen Steine, zwei Glasscheiben und drei Bretter sind noch kein Haus.

Genauso verhält es sich mit Informationsbausteinen, die in einer klar erkennbaren Struktur angeordnet sein müssen. Zum Glück haben Informationsarchitekten mit HTML ein Werkzeug in der Hand, mit dem sich Information hervorragend strukturieren lässt. Die Skriptsprache HTML (Hypertext Markup Language) als einer der Grundpfeiler des Internets verfügt über 115 hervorragend dokumentierte Elemente, mit denen sich ähnlich den Steinen eines Baumeisters ein ästhetisches und verständliches Gebäude errichten lässt.

Um eine sinnvolle Anordnung dieser Strukturelemente zu erreichen, kann es helfen, sich an drei Prinzipien zu orientieren:

  1. Ontologie - Die philosophische Disziplin der Ontologie befasst sich mit der Einteilung der Welt und ihrer Vernetzung. In der Informationstechnologie versteht man unter Ontologie ein Netzwerk aus Informationen und die logische Beziehung der einzelnen Netzknotenpunkte.
  2. Taxonomie - Die Taxonomie beschäftigt sich ebenfalls mit Ordnungsschemata, wobei im Gegensatz zur Netzwerkbetrachtung der Ontologie vornehmlich hierarchische Ordnungsstrukturen betrachtet werden.
  3. Choreographie - Der Begriff aus der Theaterwissenschaft, der Bewegungsabfolgen beschreibt, lässt sich ebenfalls auf die Informationsarchitektur übertragen. Mit Choreographie wird dann die Interaktion einzelner Informationselemente untereinander bezeichnet.

Aus jedem dieser drei Prinzipien lassen sich bestimmte Regeln für eine gute Informationsarchitektur ableiten. Wird eine dieser Regeln massiv verletzt, kann ein Informationsort verstörend auf den Besucher wirken und ihn im schlimmsten Fall von einem weiteren Besuch abhalten.

Sauberer Code garantiert Barrierefreiheit

Betrachten wir nach diesen theoretisch ästhetischen Ausführungen doch einmal ein konkretes Beispiel, wie gute Informationsarchitektur aussehen kann. Nehmen wir, analog zu einem gewöhnlichen Haus doch einmal die gewöhnlichen Headline Elemente , h1, h2, h3 usw.
Es dürfte allgemein bekannt sein, dass die Zahl innerhalb des Headline Elementes ein Maß für die Ordnung der Überschrift und damit die relative Größe darstellt. Je größer die Zahl, desto kleiner wird die Überschrift innerhalb des Dokumentes dargestellt. Vielleicht etwas weniger bekannt als der Designfaktor ist die Auswirkung des Headline Elementes auf einen Screenreader, wie er oft von blinden oder sehbehinderten Internetnutzern verwendet wird. Über einen Screenreader besteht die Möglichkeit, gezielt Überschriften einer bestimmten Ebene zu selektieren. Die korrekte und sinnvolle Anordnung verschiedener Überschriftenebenen erleichtert so die Benutzung einer Seite durch Blinde ganz enorm.

Fazit

Die analoge Welt um uns herum und die digitale Welt des Internets verschmelzen immer mehr. Sichtbar wird dies vor allem im Sprachgebrauch, indem Begriffe aus der analogen Welt als Metaphern auf digitale Handlungen übertragen werden. Frontend Entwickler müssen dieser Entwicklung Rechnung tragen und sich selbst als Informationsarchitekten begreifen, die digitale Räume aus reiner Information erschaffen. Hierbei kann es helfen, Ordnungsprinzipien aus der klassischen Architektur in die Informationsarchitektur zu übernehmen.

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