Wie schlechte Links die Benutzererfahrung trüben

URLs bzw URIs gehören zum UI Design

Bei vielen Webprojekten liegt das Hauptaugenmerk auf dem visuellen Erscheinungsbild. Die Website soll zunächst einmal marketingwirksam und schick aussehen. Mittlerweile ist die Erkenntnis durchgedrungen, dass auch die Benutzererfahrung (Englisch: user experience, UX) eine entscheidende Rolle spielt.

Einen wichtigen Aspekt guter Benutzerschnittstellen sind die URLs, die häufig wenig Beachtung finden. Zuweilen ist auch die Meinung anzutreffen, Links seien Implementierungsdetails, die den Anwender nicht weiter zu interessieren brauchen. Doch Anwender sehen die URLs und nutzen sie, deshalb stellen sie einen Teil der Benutzeroberfläche dar.

Entwicklern ist dieses Problem zumeist bewusst. Leider führen knappe Deadlines oder eine andere Priorisierung seitens des Managements dazu, dass die URL-Gestaltung unter den Tisch fällt. Dabei haben URLs einen wichtigen Einfluss auf die Benutzererfahrung sowie auf SEO-Aspekte wie Indexierbarkeit und das Suchmaschinen-Ranking Ihrer Website.

Komplizierte und verschleierte URLs sind Benutzer-unfreundlich

Gute Links sind in vielerlei Hinsicht vorteilhaft für die Anwender. Sie sehen, wohin sie geleitet werden und erkennen, was auf der Seite zu finden ist. Webshop-Nutzer setzen gerne Lesezeichen auf Produkte, die sie zum Kauf in Betracht ziehen und Blog-Leser bookmarken Artikel für erneutes oder späteres Lesen. Gleiches gilt für Kontaktseiten sowie Inhalte wie Fotos, Videos oder Downloads. Basiert die Verlinkung Ihres Webprojektes auf exzessivem Einsatz von POST-Daten oder ASP, lassen sich die Links nicht ohne weiteres bookmarken oder per E-Mail versenden. Wenn dann noch der Seitentitel nicht vernünftig gesetzt ist, führt das zu ununterscheidbaren Links.

Beispielsweise fragen viele Menschen Freunde oder Angehörige nach Kauftipps und lassen sich Links zu passenden Produkten per E-Mail oder Skype schicken. URLs wie example.com/laptops/product-details, bei denen die Produkt-ID per ASP oder POST übertragen wird, funktionieren dann nicht. Stattdessen ist es sinnvoll Links wie example.com/product-details?id=235345 oder noch besser example.com/235345 zu verwenden. Richtig gute URLs enthalten Anwender- und Suchmaschinen-freundliche Keywords: example.com/laptop-dell-latitude-5580 teilt Google und Co. klar mit, worum es in der Seite geht.

Manche Websites verwenden die URL, um zusätzliche Informationen zu übertragen: example.com/product-details?product_id=235345&os=windows&language=de. Viele dieser Parameter sind unnötig, da sie sich – falls überhaupt benötigt – per HTTP-Header oder JavaScript auslesen lassen. Tatsächlich sind sie aber oft überflüssig. Warum sollte ein Mac-Nutzer Ihren Webshop anders zu sehen bekommen, als ein Windows-Anwender? Da gute Webseiten eh Browser-unabhängig sein sollten, spielt das Betriebssystem keine Rolle.

Überlange Links werden in E-Mails und Webforen oft umgebrochen. Sie lassen sie sich nur schwer manuell eintippen, was in Prospekten, Briefen, Zeitungen, TV-Werbespots und dergleichen nachteilig ist. Änderungen in der internen Projektstruktur können zu ungültigen Parametern und defekten Links führen. Außerdem stellen sie potenzielle Sicherheitsprobleme dar, wenn sie Rückschlüsse auf Implementierungsdetails zulassen.

Schlusswort

Viele Probleme mit überlangen oder komplizierten URLs lassen sich mithilfe von zusätzlichen kürzeren, besser lesbaren und permanenten Adressen (Permalinks) umgehen. Da solche URL-Formate sowieso empfehlenswert sind, kann die Verlinkung auch gleich vernünftig mit Anwender- und Suchmaschinenfreundlichkeit im Blick aufgebaut werden.

Bei neuen oder noch jungen Webprojekten ist das Ändern der Verlinkung üblicherweise kein Problem. Besteht Ihre Website schon länger, sollten Sie nicht überhastet einen Umbau beginnen. Ohne Maßnahmen wie HTTP-Weiterleitung brechen bestehen Verknüpfungen auf anderen Seiten. Außerdem können Auffindbarkeit und Seitenzugriffe vorübergehend abnehmen, da die Suchmaschinen die neue Site-Struktur erst einmal erneut scannen müssen. Mittel- und langfristig ergeben sich jedoch Verbesserungen in der Suchmaschinenposition und der Anwendererfahrung.