Separate Mobile Website vs. Responsive Design

Separate Mobile Website vs. Responsive Design

Das mobile Netz hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Felder entwickelt, die beachtet werden sollten, wenn man mit einer Website Erfolg haben will. Allerdings ist es zumindest fraglich, ob es überhaupt existiert. Natürlich haben Smartphones, Tablets und andere tragbare Geräte unseren Alltag nachhaltig verändert und damit auch das Internet maßgeblich beeinflusst. Es sind sich aber bei Weitem nicht alle Experten darüber einig, ob es überhaupt sinnvoll ist, spezielle Seiten anzubieten, die auf die Nutzung mit mobilen Geräten optimiert sind. Wir wollen daher einen kleinen Überblick über die laufende Debatte bieten und Stellung beziehen, welche Philosophie wir für die richtige halten.

Die erste wichtige Frage, die sich stellt, wenn man über mobile Webdesign nachdenkt, ist, ob die Benutzer mobiler Geräte tatsächlich andere Ansprüche an den Inhalt stellen. Ein gutes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man seine Nutzer in Gruppen aufteilt, erlebte der britische Supermarkt Tesco im Jahre 2002. Er entschied sich, eine spezielle Seite anzubieten, die darauf optimiert war, auch von blinden Nutzern bedient zu werden, die auf diese Weise bequem ihre Lebensmittel bestellen konnten. Diese Seite wurde entsprechend aufbearbeitet und verschlankt, nicht zuletzt, da die technischen Möglichkeiten damals noch recht begrenzt waren.

Die Seite wurde ein großer Erfolg. Auch Kunden mit voller Sehkraft begannen, sie zunehmend zu nutzen, da sie einfach komfortabler und schneller zu navigieren war. Es machte sich jedoch ein gewisser Unmut breit, da bestimmte Angebote weiterhin nur auf der herkömmlichen Seite zu finden waren. Manche Nutzer beschwerten sich gar, dass die Werbung der konventionellen Seite nicht auf der blindengerechten Seite zu finden war. Abgesehen davon, dass es nach der perfekten Zielgruppe klingt, wenn Menschen sich über fehlende Werbung beschweren, zeigt es doch, dass sich eben nie genau sagen lässt, was die Nutzer tatsächlich wollen, zumindest nicht, wenn man sie nicht danach fragt. Und genau deshalb kann es auch zu Problemen führen, wenn Entwickler sich entscheiden, eine spezielle Seite anzubieten, die auf mobile Geräte optimiert ist. Wer Inhalte ausspart, kann nie sicher sein, seine Nutzer nicht vor den Kopf zu stoßen.

Wer den Alltag in einem Team oder einer Agentur kennt, weiß allerdings, dass es manchmal schwer bis unmöglich ist, tief greifende Veränderungen an einer Website vorzunehmen, ohne den laufenden Betrieb zu stören. Da ist es oft die einfachere und sichere Variante, einfach eine zweite Seite zu realisieren, die auf bestimmte Bedürfnisse bestimmter Nutzer abgestimmt ist. Also wird eine mobile Seite implementiert, während die eigentliche Seite unverändert bleibt. Das mag nicht optimal sein, aber die Realität erlaubt manchmal eben keine Wunschvorstellungen.

Der Gedanke dahinter ist also, die Besucher, die mit einem mobilen Gerät auf die Seite zugreifen, automatisch auf die mobile Seite weiterzuleiten. Da stellt sich natürlich die Frage, woher man wissen soll, mit welchem Gerät ein Nutzer auf die Seite zugreift. Dummerweise lässt sich diese Frage in der Praxis nicht abschließend beantworten. Die Kommunikation zwischen dem Browser und der Seite liefert zwar Informationen, die hilfreich sind, eine Einordnung vorzunehmen, in der Praxis treten aber immer wieder die verschiedensten Fehler auf. Es muss also in jedem Fall eine Verlinkung stattfinden für die User, die auf einer Seite landen, die nicht für sie gedacht ist. Aber auch für die Nutzer, die zwar mit einem mobilen Gerät zugreifen, aber lieber die volle Funktionalität der herkömmlichen Seite hätten.

Wer Nutzern mobiler Geräte allerdings weniger Inhalte bietet, muss sich heute immer mehr darauf einstellen, dass diese Nutzer auch nur noch diese Inhalte kennen. Mobiler Internetzugang war zu Beginn in erster Linie eine Möglichkeit, auch unterwegs auf bestimmte Dienste zugreifen zu können. Es gibt heute aber immer mehr Menschen auf dieser Welt, die nur noch über diesen mobilen Zugang zum Netz verfügen. Wer Schwierigkeiten hat, sich mehrere Geräte zu leisten, wird in der Zukunft eher zum Smartphone greifen als zum Desktop-Computer, ganz besonders, wenn Mobiltelefone bald alle über einen entsprechenden Zugang zum Web verfügen. Wer also mobilen Nutzern Inhalte vorenthält, kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass sie auf anderem Wege auf sie zugreifen können. Wer ihnen diese Inhalte nicht direkt an die Hand gibt, sorgt dafür, dass sie sie unter Umständen nie sehen werden.

Eine mobile Website erhöht die Nutzerfreundlichkeit für die Besucher, die ein mobiles Gerät nutzen, das steht außer Frage. Aber was sagt es denn über die herkömmliche Seite aus, dass sie auf manchen Geräten nur schwer zu nutzen ist? In den meisten Fällen gilt doch, dass eine Seite genau dann schwer mit mobilen Geräten zu nutzen ist, wenn sie mit allen Geräten schwer zu nutzen ist. Seiten sind oft so voll mit Informationen, dass viele davon vollkommen überflüssig sind. Das Netz hat es uns so einfach gemacht, indem es uns unendlich viel Platz gegeben hat. Wir haben die Fähigkeit verloren, Entscheidungen zu treffen, weil wir es nicht mehr tun müssen. Neue Inhalte werden einfach hinzugefügt, ohne dass sie alte ersetzen würden. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, muss aber berücksichtigt werden. Mehr Inhalte bedeuten auch einen Mehrwert für den Nutzer, wenn sie entsprechend angeboten werden. Wenn aber die Seite dadurch unnötig aufgebläht wird, sind irgendwann alle Informationen schwerer zu erreichen, damit ist niemandem geholfen.

Das Ziel muss es sein, Seiten so zu entwerfen und zu designen, dass sie von allen Geräten gleichermaßen genutzt werden können. Wer separate Seiten für mobile Geräte entwirft, geht zwar auf ein reales Problem ein, tut aber wenig, um es auch zu beheben. Die Anforderungen, die mobile Geräte haben, mögen auf den ersten Blick anders aussehen, unterscheiden sich aber nicht grundlegend von denen herkömmlicher Geräte. Wer eine neue Seite plant, sollte vom ersten Moment darauf achten, sie so zu gestalten, dass sie für jeden Nutzer die optimale Erfahrung bietet. Überladene Seiten, die zu lange brauchen, bis sie geladen sind, bieten für niemanden ein nutzerfreundliches Erlebnis, sie machen sich nur bei manchen Nutzern mehr bemerkbar als bei anderen.

Viele Seiten verschließen sich daher vor bestimmten Nutzern und begründen dies gelegentlich damit, dass diese Nutzer ohnehin nicht auf die Seite zugreifen. Damit zäumen sie das Pferd allerdings von hinten auf und ignorieren die einfache Tatsache, dass die Besucher vielleicht kämen, wenn sie denn die Möglichkeit dazu hätten. Nutzer mobiler Geräte auszuschließen, passiert glücklicherweise immer weniger, aber die Optimierung der Seiten könnte auch anderen Besuchern helfen. So vergessen wir immer gerne, dass das Internet in weiten Teilen der Welt immer noch besorgniserregend langsam ist. DSL und andere Optionen stehen längst nicht jedem Menschen zur Verfügung, das gilt insbesondere, wenn ein internationales Publikum angesprochen wird. Doch auch in Deutschland ist noch längst nicht jeder Nutzer mit Hochgeschwindigkeit im Netz unterwegs. Wer diese User vergisst, beschränkt seine Zielgruppe auf unnötige Weise.

Das Ziel für die moderne Website von heute sollte also sein, alle Nutzer gleichermaßen anzusprechen. Mobile Versionen funktionieren allerdings eher als eine Art Schleier, der gerne genutzt wird, die eigentlichen Probleme zu verdecken, anstatt sich ihnen zu stellen. Die Betreiber sollten stattdessen dafür sorgen, dass ihre Seiten optimiert werden, damit alle Geräte gleichberechtigt damit umgehen können. Bei bestehenden Seiten kann das oft eine enorme Arbeit bedeuten, keine Frage. Aber sie lohnt sich. Und wer Hilfe dabei benötigt, kann schließlich immer noch eine professionelle Agentur beauftragen.

Die Philosophie „never touch a running system“ mag ihre Hintergründe haben, aber nur dann tätig zu werden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, kann auf Dauer keine Lösung sein. Wer immer erst eingreift, wenn Probleme entstehen, kann sie zwar aus der Welt schaffen, aber nicht verhindern. Wer seine Seite hingegen ständig optimiert und aktuell hält, geht einigen Problemen aus dem Weg, bevor sie auftreten. Er ist außerdem auch wesentlich besser darauf vorbereitet, dass irgendwann neue Probleme und Herausforderungen auf ihn zukommen.

Seiten zu erstellen, die auf mobile Geräte optimiert sind, war ein erster und richtiger Schritt. Es ging darum, den Kunden das zu geben, was sie wollten. Nachdem dieser Schritt aber abgeschlossen war, hätte man anfangen müssen, sein eigentliches Produkt darauf zu optimieren, dass es von allen Menschen genutzt werden kann. Es geht dabei ja schließlich nicht nur um mobile Geräte, es geht auch darum, den Anforderungen einer globalen Welt gerecht zu werden. Wer alle potenziellen Nutzer von Bonn bis Kairo ansprechen will, muss sich zwangsläufig darauf einstellen, dass viele von ihnen andere Bedürfnisse haben, als man das auf den ersten Blick erwarten würde. Kurzfristig mag es weniger Arbeit sein, eine neue Seite zu starten, die sich an eine bestimmte Zielgruppe wendet. Auf lange Sicht müssen dann aber auch alle Seiten regelmäßig betreut und aktualisiert werden. Da ist es oft besser, die Arbeit gleich zu erledigen und damit eine Seite zu schaffen, auf die alle Menschen zugreifen können.