Augmented Reality und die Zukunft des Webs

Augmented Reality und die Zukunft des Webs

Von der Virtual Reality zur Augmented Reality

Das Eintauchen in virtuelle Welten ist in der letzten Zeit immer leichter geworden. Entwickler wie Mozilla oder Google haben einige wirklich fesselnde Projekte vorgestellt, die mit ausgereifter und gut dokumentierter Technik begeistern. Der derzeitige Trend zu HMDs (Head Mounted Displays – auch VR-Brillen genannt) beschert uns technische Neuerungen, die vor allem auf eine extrem niedrige Latenz abzielen.

Niedrige Latenzen sind es auch, die für Augmented Reality (AR) unerlässlich sind, stellen also eine wichtige Basistechnologie in dieser Hinsicht dar. Doch niedrige Latenzen allein reichen nicht aus, um wirklich zuverlässige AR Applikationen zu entwickeln. Um den Schritt von der virtuellen Realität zur augmentierten Realität zu gehen, fehlen aber noch zuverlässige Lösungen für Probleme wie SLAM (von engl. Simultaneous Localization and Mapping – Simultane Lokalisierung und Kartenerstellung) und anderes.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Techniken werfen, die für faszinierende AR-Erlebnisse notwendig sind, und wie es um ihren Entwicklungsstatus bestellt ist.

Eintauchen in die virtuelle Realität

Wenn es um virtuelle Realität geht, ist es sinnvoll, sie browserbasiert und damit plattformunabhängig umzusetzen. Mozilla und Google haben hier mit WebGL beeindruckende Projekte vorgestellt. Mozilas Showcase zur browserbasierten virtuellen Realität liefert Demonstration von 360° Landschaftspanoramen ohne sichtbare Übergänge bis hin zu mausgesteuerten Flügen durch futuristisch abstrakte Landschaften. Google setzt ganz auf sein Cardboard System, das jedes beliebige Handy in einen 3d-fähigen VR-Betrachter verwandelt. Dabei setzt Google die technische

Hürde bewusst niedrig, indem der Konzern einen simplen Bausatz aus Karton für erste Tests in der virtuellen Realität anbietet. Abgerundet wird das Cardboard Angebot durch High-End Brillen und Kameraträger zum Aufnehmen von VR-Videos.

So beeindruckend diese Ergebnisse auch sein mögen, so fehlt der zugrunde liegenden Technik doch einiges, um echte Augmented Reality Erlebnisse zu ermöglichen, bei denen mehr nötig ist, als Head-Tracking mit möglichst niedriger Latenz.

Einen Schritt weiter mit Augmented Reality

Während Virtual Reality dem Nutzer definierte Räume zeigt und ihn in Grenzen mit ihnen interagieren lässt, geht Augmented Reality einen Schritt weiter; einen Schritt weg von vordefinierten Räumen hin zu jedem beliebigen Raum und zu jeder beliebigen Interaktion. Neben rein ästhetischen und unterhaltsamen Aspekten, wie zum Beispiel AR-Elemente in Online Reiseführern stecken hinter der Entwicklung von Augmented Reality auch handfeste wirtschaftliche Interessen.

Stellen Sie sich nur einmal vor, wie sehr ein Workflow vereinfacht würde, wenn User digitale Objekte genauso handhaben könnten, wie ihre analoge Umgebung; wenn digitale Objekte, wie Fotos oder Dokumente plötzlich Teil der realen Umgebung wären, eins mit ihr würden und denselben Gesetzen gehorchen würden. User würden beispielsweise Dokumente nicht mehr per Mail oder einem anderen Nachrichtendienst verschicken, sondern wären in der Lage, sie tatsächlich an Kollegen weiterzureichen, so wie sie es mit einem Stapel Papier täten.

In einem weiteren Schritt könnten Sie sich vorstellen, dass es einem User möglich ist, Mitarbeitern oder Kunden in einer vertrauten Umgebung via AR zu begegnen. Es gäbe plötzlich keinen Unterschied mehr zwischen der Interaktion mit einer tatsächlich anwesenden Person und beispielsweise dem Hologramm eines Geschäftspartners. Wie viel effektiver als umständliche Meetings in stickigen Büros oder langweilige Telefonkonferenzen wäre solch eine Technik, die auf Augmented Reality beruht?

Voraussetzungen für Augmented Reality im Web

So verlockend solche Vorstellungen auch sind, erfordern sie doch eine Menge umdenken bezüglich aktueller Handlungsweisen und Techniken. Es ergibt sich also die Frage, welche zusätzlichen Techniken entwickelt werden müssen, damit Augmented Reality wie beschrieben funktionieren kann. Lassen Sie und einige Antworten wagen:

  1. Browser werden überflüssig. Eine Menge Menschen neigen dazu, das World Wide Web und ihren Browser gleichzusetzen und vergessen dabei, dass ein Browser lediglich ein mögliches Fenster in das Web ist. Dazu kommt, dass der Blick durch einen Browser nur einen ziemlich beschränkten Eindruck dessen ermöglicht, was mit vernetzten Computern möglich ist. Für echte Augmented Reality müssen wir uns von Browsern verabschieden und neue Fenster ins Netz suchen.
  2. Eine noch zu schaffende Softwareschicht muss alle AR-relevanten Geräte miteinander verbinden.
  3. Wir brauchen neue netzwerkfähige Endgeräte. Heutzutage betrachten wir die ersten Ansätze augmentierter Realität entweder durch HMDs oder Mobiltelefone und Tablets mit einer speziellen App. Für die Zukunft ist das zu wenig und AR-fähige Windschutzscheiben im Auto, Smartwalls oder Holographien sind da erst ein erster Schritt. Für all diese vernetzten Endgeräte müssen Kommunikationsstandards für Hard- und Software definiert werden. Eine Menge Entwickler wird sich auf die Thematik stürzen und ganz unterschiedliche und miteinander konkurrierende Lösungsansätze entwickeln, aber an einer Art AR-fähigem Web-Betriebssystem, das alle diese Ansätze miteinander verbindet und die Kommunikation unter ihnen ermöglicht, wird kein Entwickler herumkommen.
  4. Open Source – Etwas so fundamentales, wie ein AR-System kann nur als quelloffenes System auf Dauer bestehen. Zwar liefern Hardwarehersteller in der Regel ein Software Development Kit und eine durchaus brauchbare Dokumentation für ihre Geräte, aber erst durch eine wirklich quelloffene Hardware lässt sich das volle Potenzial eines AR-Netzwerkes enwickteln.
  5. Natürliche Interfaces – Wenn Gegenstände aus der analogen Welt mit digitalen Informationen verschmelzen sollen, benötigen wir Interfaces, die einen natürlichen und konsistenten Umgang mit Digitalobjekten in einer augmentierten Realität erlauben. Hierbei müssen wir uns auch Gedanken um die Steuerung machen. Was passiert mit einer Tastatur in der Augmented Reality? Wird Sprachsteuerung der neue Standard? Und wie erfolgt der Austausch digitaler Objekte innerhalb eines AR-Systems.

All diese Techniken sind weit davon entfernt, produktiv eingesetzt werden zu können, auch wenn in einigen Bereichen, wie etwa der Sprachsteuerung schon große Fortschritte erzielt wurden. Aber es bleibt spannend zu beobachten, wie findige Entwickler auf der ganzen Welt das Netz auf eine weitere Stufe heben – die Stufe der Augmented Reality.

Fazit

Augmented Reality, also die computergestützte Erweiterung der Realität, wird in Zukunft Dinge ermöglichen, von denen wir heute nur zu träumen wagen, für die grundlegende technische Voraussetzungen aber gerade entwickelt werden. Dabei wird Augmented Reality unseren Umgang mit Arbeitsabläufen und menschlicher Interaktion in ungeahnter Weise verändern, Augmented Reality ermöglich Veränderungen, die weit über das Anzeigen von Zusatzinformationen in einem Livekamerabild hinausgehen. Noch stecken wichtige Techniken, wie etwa SLAM (Simultaneous Localization and Mapping) in den Kinderschuhen, aber die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten.

Erste Erfahrungen mit elementaren Techniken wie Head Tracking sind bereits heute möglich. In Räumen der virtuellen Realität können sich User scheinbar frei bewegen, wenn es auch noch an Interaktionsmöglichkeiten hapert.

Es bleibt spannend, die kommenden Entwicklungen im Bereich der Augmented Reality zu beobachten oder sogar mitzugestalten.